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Pofalla: Ich kann deine Fressse nicht mehr sehen

Von Akif Pirincci

Liebes Tagebuch,

hab eine total aufregende Woche hinter mir – also wie jede Woche, denn der zweite Vorname von uns Politikern heißt ja Aufregung. Wir sind so bedeutend, so schicksalsentscheidend, so dermaßen unentbehrlich für dieses Land, daß ich gar nicht wüßte, was wir ohne uns machen würden. Haha, reingefallen! Nee, war nur Spaß.

In Wahrheit tun wir nichts anderes, als das Geld anderer Leute verbrennen und abends unsere häßlichen Visagen in die Kameras des Staatsfernsehens halten und in verquastem Politiker-Deutsch irgendeinen Scheiß von uns geben, wofür wir niemals zur Verantwortung gezogen werden können. Da tat es doch gut, daß ich mal dieser Arschgeige Wolfgang Bosbach frei von der Leber weg "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen!" entgegengeschrien habe. Ach, war das schön! Habe mich dabei wie dieser Akif Pirinçci gefühlt.

Aber die letzte Woche unterschied sich schon etwas von den vorangegangenen. Ich habe nämlich einen neuen Job, weil ich ja nicht mehr Kanzleramtschef bin. Zunächst wollte ich Testficker in einem großen rumänischen Puff werden, aber da sagte man mir, so eine Position hätten sie dort nicht, weil alle meine Politkollegen sogar viel Geld dafür zahlen würden, um diese Tätigkeit ausüben zu dürfen. Ja schade.

Und dann habe ich mich als Teilchenbeschleuniger für die Kalte Fusion im CERN beworben, doch da lehnte man mich auch ab mangels "Materie". [1] Kurzfristig spielte ich sogar mit dem Gedanken, richtig arbeiten zu gehen, bis man mich darauf aufmerksam machte, daß man als Regalauffüller bei Aldi nicht 32 Millionen Euro im Jahr verdient. Tja, als Politiker kriegt man ja so was gar nicht mit. Wird Zeit, daß der Mindestlohn kommt.

[1] Vielleicht war es nicht der Mangel an Materie, sondern der Mangel an Gewissen, Verantwortung, Ethik oder Moral, weswegen man Herrn Pofalle bei CERN die Tür vor der Nase zuschlug. Mag ja sein, daß man als Politiker keine 32 Mille verdient, aber unsere islamischen Freunde sind da nicht so knauserig. Die wissen Liebesdienste durchaus zu schätzen und sind bereit, gut dafür zu bezahlen, sagt Ruprecht Polenz (CDU), der beste Mann der Milli Görüz, dem dafür die Goldene Banane gebührt.

Ruprecht Polenz wird für seine Liebesdienste für Erdogan reichlich belohnt. David Harnasch: „Und hungern muss der unermüdliche Trommler für einen EU-Beitritt der Autokratur Erdogans auch nicht, wie man im Abschiedsinterview bei der Deutschen Welle erfahren durfte: Ich habe mir für das nächste Jahr ein umfangreiches Arbeitsprogramm vorgenommen.

So habe ich vom Istanbul Policy Center ein Senior-Fellowship angeboten bekommen, das ich nutzen will, um an einem Buch zu arbeiten.... Wenn das so ausgeschüttet würde [das monatliche Stipendium] (es wird freilich noch ein paar Abzüge für Verwaltungsarbeit geben), hätte Polenz mal eben 300.000 p.a. für den Ausverkauf deutscher Interessen an Erdogan kassiert.

So läuft also der Hase. Unsere beiden cleveren CDU-Politiker wissen schon, wie man zu Geld kommt. Der eine so, der andere so. Deutsche Interessen? Was kümmert sie deutsche Interessen? Ist man erst mal am Futtertrog, dann läßt der clevere Politiker davon nicht mehr verdrängen. Dazu ist man dann auch schon mal bereit seine Seele zu verkaufen.
Du wunderst dich vielleicht, liebes Tagebuch, wieso wir Politiker im Gegensatz zu Normalsterblichen für jeden Job ab eine Mio. per anno geeignet sind. Ich meine, ein Architekt kann ja auch nicht über Nacht Hochseekapitän werden und eine Floristin nicht Stuntman. Bei uns geht das. Eine Sozialministerin kann sich in Sekundenschnelle zu einer Verteidigungsministerin mutieren, obwohl sie von Militär so viel Ahnung hat wie ein verwichster Nerd, der das Ganze auch nur vom Call-of-Duty-Zocken (Ego-Shooter, Computerspiel) her kennt.

Ein Innenminister wiederum übernimmt die Landwirtschaft, obwohl er den Spreu vom Weizen nicht trennen kann. Und ein Josef Fischer kassiert ja auch inzwischen seine Milliönchen für etwas, von dem er keine Ahnung hat, und "arbeitet" als … ähm, also weiß ich jetzt auch nicht so genau. (als Autoputzer in der BMW-Waschanlage)

Beim dummen Volk, das uns immer wählt, weil wir ihm immer was vom Pferd erzählen, herrscht ja die Paranoia, daß wir zu solchen Spitzenpositionen in der Wirtschaft nur gelangen, weil wir sie in unserer politisch aktiven Zeit heimlich mit Staatsaufträgen beliefert oder sonstwie mit den Bossen geklüngelt hätten.

Das ist aber Quatsch! Diese Vorstände dort, die auch den lieben langen Tag nix zu tun haben als den Grüßaugust zu spielen und ihren Sekretärinnen den Finger was weiß ich wohin reinzustecken, sind auch nur Menschen, die abends fernsehgucken und deshalb unbedingt einen prominenten Namen in ihrer Mitte haben wollen. Gleiches unter Gleichen quasi. Das ist der wahre Grund.

Mir ist jedenfalls noch in letzter Minute eingefallen, daß ich ja als Kind immer gern mit der elektrischen Eisenbahn gespielt habe. Und da rief ich bei der Telefonzentrale der Deutschen Bahn an und fragte, ob sie eine Beschäftigung für mich hätten. Erst wollte man mich wegen geringer Qualifikation als Kofferträger am Frankfurter Hauptbahnhof einsetzen, aber dann entschied man sich doch für einen Vorstandsposten. Bingo!

Irgend so ein saudummer Gewerkschaftsheini meinte zwar noch "schon wieder ein teurer Vorstandsposten und sicher auch eine teure Stabsabteilung dazu geschaffen und wieder ohne eisenbahnspezifisches Know-how", aber was weiß der schon?! Außerdem sind diese öden Gleisbauarbeiten sowieso nicht mein Traum. Ich möchte nämlich all die freie Zeit bei den Bahn-Deppen nutzen, um Astronaut zu werden. Und dann fliege ich zum Mars. Vielleicht bleibe ich auch dort.

Die Anmerkungen in eckigen Klammern sind vom Admin.

Quelle:
Pofalla: Ich kann deine Fressse nicht mehr sehen

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